Schulen keine sicheren Orte!

GEW Köln begrüßt Impfangebot für alle schulischen Beschäftigten – dennoch: Schulen derzeit keine sicheren Orte!

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Pressemitteilung vom 5.5.2021
GEW Köln begrüßt Impfangebot für alle schulischen Beschäftigten – dennoch: Schulen derzeit keine sicheren Orte!

Mit großem Erstaunen und großer Sorge haben wir die Äußerungen der Schulministerin Yvonne Gebauer zur Kenntnis genommen, die sich anlässlich einer Studie der LMU München zum Infektionsgeschehen in Schulen trotz der derzeitigen hochdynamischen Infektionslage einmal mehr für Präsenzunterricht ausspricht. Die Studie belegt im Wesentlichen wenig überraschenderweise, dass dort, wo mehr getestet wird, auch mehr Infektionen erkannt und die Dunkelziffer unerkannter Infektionen entsprechend gesenkt werden kann. Gebauer schlussfolgert daraus nun, dass „geöffnete Schulen mit ihren Hygienekonzepten sicherer seien als wenn Jugendliche in ihrer Freizeit ohne jeden Corona-Schutz aufeinandertreffen würden(1) und drängt demnach erneut auf Präsenzunterricht zur Eindämmung des Infektionsgeschehens.

Das ist – zugespitzt formuliert – so als würde man Leute ins Wasser werfen mit der Aussage, auf diese Weise könne man besser feststellen, wer Nichtschwimmer*in sei, ohne Rücksicht auf Verluste. Sicher ist es richtig, dass dort, wo mehr getestet wird, auch mehr Infektionen erkannt werden, aber hier wird doch völlig verkannt, welches Risiko diese Vorgehensweise für alle Beteiligten – Mitschüler*innen, schulische Beschäftigte und auch Personen aus Risikogruppen im häuslichen Umfeld – mit sich bringt. Eine Studie der TU Berlin zur Verbreitung von Aerosolen und zur Ansteckungsrate in Innenräumen belegt beispielsweise, dass der R-Wert in Oberschulen, die zu 50 % belegt sind, und wo Maskenpflicht herrscht, bei 2,9 liegt(2). Alles oberhalb eines Wertes von 1 bedeutet ein exponentielles Wachstum. Wir fragen uns, wie man all das so fahrlässig außer Acht lassen kann!“, empört sich Eva-Maria Zimmermann, Geschäftsführerin der GEW Köln.

Zwar wird nun endlich allen schulischen Beschäftigten in NRW ein Impfangebot gemacht, was wir sehr begrüßen, dieser Schritt war überfällig! Allerdings greift der Impfschutz nicht von heute auf morgen, sondern erst einige Zeit nach Erhalt der Zweitimpfung. Wenn nun eine Rückkehr in den Präsenzunterricht erfolgen sollte, sind die Beschäftigten somit noch lange nicht geschützt. Hinzu kommt, dass eine Impfung nicht das alleinige Allheilmittel ist – es muss einen Kanon aus verschiedenen Maßnahmen des Gesundheitsschutzes geben, auch über Impfungen, eine verlässliche Teststrategie, Masken- und Abstandspflicht hinaus. Wo sind beispielsweise die Luftfiltergeräte für alle Klassenräume, den Offenen Ganztag und Mensen? Wo sind die CO2-Ampeln? Wo ist das Fachpersonal, das die Testungen durchführt? Wo ist die Einstellungsoffensive für mehr Personal, um die völlig überlasteten Kolleg*innen endlich zu entlasten?“, so die Gewerkschafterin weiter.

Aktuell beuge sich die NRW Landesregierung noch der Bundesnotbremse, dies scheint aber in Frage zu stehen. „Uns allen ist bewusst, welch hohen Stellenwert Präsenzunterricht gerade auch hinsichtlich der Bildungsgerechtigkeit hat. Wenn man es damit allerdings ernst meint, dann muss man auch alle Hebel in Bewegung setzen, um für möglichst pandemiesicheren Betrieb zu sorgen. Dies können wir leider immer noch nicht erkennen und warnen eindringlich davor, alle Beteiligten dem Virus auf dem Silbertablett zu servieren“, so die GEW Köln abschließend.
 

(1) https://www.wa.de/nordrhein-westfalen/schulen-nrw-corona-oeffnung-inzidenz-schliessung-distanzunterricht-praesenzunterricht-yvonne-gebauer-studie-bayern-90485817.html

(2) https://depositonce.tu-berlin.de/bitstream/11303/12578/5/kriegel_hartmann_2021.pdf