135 neue Gesamtschulplätze im nächsten Schuljahr wären möglich

135 neue Gesamtschulplätze im nächsten Schuljahr wären möglich

Karte: OpenStreetMap

Pressemitteilung vom 14.9.2021 zur Diskussionsveranstaltung „Den Schüler*innen- und Elternwillen ernst nehmen – mehr Gesamtschulen für Köln“ der GEW Köln & des DGB Köln mit CDU und Volt

GEW: 135 neue Gesamtschulplätze im nächsten Schuljahr wären möglich


Am 7.9. fand die dritte Veranstaltung der Reihe „Den Schüler*innen und Elternwillen ernst nehmen: Mehr Gesamtschulen in Köln“ mit Herrn Dr. Schlieben (CDU) und Frau Browers (Volt) statt.

Die GEW bezog sich unter anderem auf die aktuellen Monitoring-Berichte, die darstellen, dass das Schulwesen in Köln die individuelle Ausgangslage der Schüler*innen zu wenig berücksichtigt. Daraus ergibt sich eine starke Benachteiligung von Kindern aus ärmeren und/oder migrantischen Familien. Eine besondere Rolle spielen hierbei die Grundschulgutachten, die sich bei den Schulformempfehlungen und Laufbahnprognosen nicht selten eher an der Herkunftsfamilie als an der Leistungsfähigkeit orientieren. Die GEW stellte dem eine Untersuchung der Grundschulgutachten von Abiturient*innen an Gesamtschulen gegenüber: 79 % bis 89 % der Kinder aus benachteiligten oder migrantischen Familien hatten keine Grundschulempfehlung für das Gymnasium und haben trotzdem über die Gesamtschule, die den Kindern Zeit gibt und sie fördert, das Abitur erreicht.

Unter anderem aus diesem Grund, der die Bedeutung von Gesamtschulen einmal mehr unterstreicht, monierte die GEW, dass seit vielen Jahren zwischen 700 und 1.000 Schüler*innen wegen Platzmangel an Gesamtschulen abgewiesen werden. Trotzdem habe es 2020 und 2021 keinen einzigen neuen Platz an einer Gesamtschule gegeben. Auch im kommenden Schuljahr wird es laut Schulverwaltung nur 27 Plätze durch eine zusätzliche Klasse an der Porzer Lise-Meitner-Gesamtschule geben, während für Gymnasien 186 neue Plätze geschaffen werden.

Herr Dr. Schlieben und Frau Browers betonten, dass sie den Elternwillen für Gesamtschulen durchaus ernst nähmen. Frau Browers ergänzte, dass sie Gesamtschulen für die beste Schulform halte. Herr Schlieben wies aber die Verantwortung für die aktuelle Schulraumnot an Gesamtschulen vehement zurück und verwies auf Versäumnisse in der Vergangenheit, die nicht so schnell aufzuholen seien. (Dazu sei die Frage erlaubt, wo die CDU in der Vergangenheit gewesen ist?)

Beide betonten ihre Bereitschaft, neue Gesamtschulplätze zu schaffen. Allerdings gebe es Hindernisse: Die Gesamtschulen seien groß, man brauche große Grundstücke und Gebäude. Herr Schlieben verwies auf den Schulentwicklungsplan der Stadt, der 13 neue Gesamtschulen und 8 neue Gymnasien vorsehe. Klaus Minartz vom AK Schulentwicklung der GEW Köln: „Das ist auf den ersten Blick eine positive Tendenz. Aber keine der aufgeführten Schulen wird vor 2027 fertig. Warum dauert das beschlossene Interim für die Gesamtschule Ossendorf so lange? So lassen sich die Ablehnungszahlen nicht verringern! Wir brauchen schnelle Lösungen!“. In Lindenthal hätte bei politischer Bereitschaft durchaus die Möglichkeit bestanden, kurzfristig eine weitere Gesamtschule anzubieten, so Minartz weiter. Das neue Gymnasium Zusestraße, die ehemalige Friedensschule, das Gymnasium Neue Sandkaul und das geplante neue Gymnasium im ehemaligen Unitymediahaus an der Aachener Straße seien eine deutliche Übersoll-Erfüllung. Auch eine von der Bürgerinitiative und der GEW geforderte Gesamtschule in Rondorf statt eines Gymnasiums lehnte Dr. Schlieben schroff ab.

Anne Ratzki, ebenfalls vom AK Schulentwicklung, stellte die besondere Situation im Rechtsrheinischen dar. „Nach dem städtischen Lebenslagebericht sind die rechtsrheinischen Stadtteile Kalk und Mülheim am stärksten von Kinderarmut betroffen. Die Gesamtschule könnte gerade für diese Kinder ein Weg aus der Armut sein. Während es in Mülheim 651 Gesamtschulplätze gibt (und zugleich mit 202 Ablehnungen einen weiteren hohen Bedarf), ist der Bezirk Kalk völlig unterversorgt. Seit 1981 gibt es dort nur eine Gesamtschule mit 162 Plätzen“, moniert Anne Ratzki. Verschiedene Optionen wie das Grundstück am Walter-Pauli-Ring oder am Deutzer Ring/Gießener Straße haben sich als nicht oder nicht kurzfristig realisierbar erwiesen.

Die GEW verwies noch einmal deutlich auf die Möglichkeit, kurzfristig in der Hauptschule am Helene-Weber-Platz eine Gesamtschule einzurichten. Bei einer Kapazität von 72 Plätzen gab es nur 29 Anmeldungen, vermutlich meist Kinder, die von einer Gesamtschule abgelehnt worden waren. In einer Stellungnahme vom 30.8. hält es die Verwaltung „bei Abwägung der Chancen und Risiken durchaus für denkbar, am Standort Helene-Weber-Platz zukünftig eine Gesamtschule (bzw. den Teilstandort einer Gesamtschule) vorzusehen.“ Herr Dr. Schlieben und Frau Browers sprachen sich vorsichtig positiv aus, wollten sich jedoch zuerst die gestiegenen Schülerzahlen in der 7. Klasse durch abgeschulte Schüler*innen aus der Realschule ansehen.

Damit blockiert die CDU eine schnelle Beschlussfassung in der BV Kalk und im Schulausschuss für eine Gesamtschule am Helene-Weber-Platz, die dringend für das kommende Schuljahr gebraucht würde. Für eine schnelle Entscheidung könnte ein Blick in den Monitoring-Bericht helfen: In Köln gibt es 12 Hauptschulen mit einer Gesamtkapazität von 792 Plätzen. Aktuell haben sich nur 318 Schüler*innen dort angemeldet. Es wäre also kein Problem, ca. 250 abgeschulte Schüler*innen im 7. Schuljahr unterzubringen, es blieben immer noch über 200 Plätze frei. Der Verzicht auf die Hauptschule Helene-Weber-Platz zugunsten einer Gesamtschule würde somit zu keinen Engpässen führen.

Alle Anwesenden sprachen sich gegen Abschulungen aus, weil sie für die Jugendlichen mit dem Gefühl des Versagens und Scheiterns verbunden sind. „Gesamtschulen ersparen ihren Schüler*innen diese schlimme Erfahrung, was ein weiterer wichtiger Punkt dafür ist, endlich für genügend Gesamtschulplätze zu sorgen“, so die Gewerkschafter*innen.

Die GEW fordert, kurzfristig in der Hauptschule am Helene-Weber-Platz eine Gesamtschule einzurichten und fordert die Politiker*innen zu einem baldigen zustimmenden parteiübergreifenden Beschluss auf. Damit könnten über 108 neue Gesamtschulplätze zusätzlich im nächsten Schuljahr geschaffen werden. Zusammen mit den 27 zusätzlichen Plätzen an der Lise-Meitner-Gesamtschule in Porz wären somit über 135 neue Gesamtschulplätze möglich.


Kontakt für weitere Nachfragen:
Klaus Minartz - klaus.minartz@gmail.com – 0221-526722 oder 0157-52674841