Bildungsalarm! Rote Karte für die Bildungspolitik

GEW Köln und Bonn gemeinsam auf der Straße

Unter dem Motto „Bildungsalarm! Rote Karte für die Bildungspolitik“ hatten die GEW Stadtverbände Köln und Bonn alle Beschäftigten im Bildungsbereich zu einer gemeinsamen Demonstration am 9. November 2019 aufgerufen. Rund 300 Beschäftigte aus Kitas, den verschiedenen Schulformen, der Hochschule und der Weiterbildung sowie Eltern, Schüler*innen und Studierende gingen gemeinsam auf die Straße, um für eine bedarfsgerechte Grundfinanzierung im Bildungswesen und bessere Lehr- und Lernbedingungen zu protestieren.
Demo: Bildungalarm! am 9.11.2019

Foto: Jutta Jilg

So verschieden die Probleme in den unterschiedlichen Bildungseinrichtungen auf den ersten Blick auch sein mögen, einige Dinge ziehen sich wie ein roter Faden durch alle Bereiche: Überall gibt es Lohnungerechtigkeit verschiedenster Art, die Gruppen und Klassen sind viel zu groß, die Betreuungsschlüssel entsprechend unhaltbar, Personalmangel verursacht bei den vorhandenen Beschäftigten eine immense Überlastung, es herrscht Gebäudenotstand und Sanierungsstau. Der Hauptgrund ist die fehlende bedarfsgerechte Grundfinanzierung. Das spiegelte sich sowohl im gemeinsamen Aufruf aller Bildungsbeschäftigten wider als auch auf den Plakaten, in den Redebeiträgen und auf den roten Karten, die an die zuständigen Bildungspolitiker*innen als Stopp-Signal geschrieben wurden.

Dem Unmut Luft machen ... 

Der Demo-Samstag begann mit einem Auftakt auf dem Hans-Böckler-Platz, wo alle dazu aufgerufen waren, rote Karten zu schreiben und ans offene Mikro zu kommen, um ihrem Unmut Luft zu machen. „Viel Arbeit, wenig Lohn: Stiefkind OGS“, „Vertretungslehrer*innen weiter-/dauerbeschäftigen“, „Keine Kürzungen an der Universität zu Köln“ oder „Marode Schulen, defekte Toiletten, kein WLAN, kein Arbeitsschutz“ war unter anderem auf den Plakaten zu lesen. Rolf Haßelkus, Vorsitzender des GEW-Stadtverbands Bonn, hielt eine Ansprache, in der er verdeutlichte, dass die Bildungsbeschäftigten diese jahrzehntelange Mangelverwaltung nicht länger hinnehmen dürfen.

Auch während des Demozuges vom Hans-Böckler-Platz über den Friesenplatz, Rudolfplatz, Neumarkt, die Severinstraße bis hin zum Chlodwigplatz kamen immer wieder Demonstrierende ans offene Mikro um davon zu berichten, was in ihrer Bildungseinrichtung und in ihrem Beruf dringend benötigt wird. Sogar eine Passantin solidarisierte sich mit unserer Bildungsdemo und ergriff spontan das Wort: Sie kenne diese Lohn-Ungerechtigkeit und die Überlastung aufgrund von Personalmangel bestens von ihrer Arbeit als Krankenpflegerin, und es sei wichtig und richtig, dass wir alle zusammen solidarisch auf die Straße gehen, um gegen solche Missstände vorzugehen.

Schluss mit der „schwarzen Null“!

Deutlich wurde zudem ein großer Missmut gegenüber der Sparpolitik: „Bildung ist eine Investition in die Zukunft und keine Kosten-Nutzen-Rechnung“, hatten Schlüler*innen auf ein Plakat geschrieben. Eine rote Karte zeigte die Aufschrift „Bildung für alle statt Schuldenbremse“. Immer wieder riefen die Demonstrierenden lauthals „Bildungs-ALARM! Rote Karte der Bildungspolitik“, „Mehr Personal und das überall!“ oder „regulär statt prekär!“.

Am Chlodwigplatz angekommen konnten wir eine lange Wäscheleine um uns herum aufspannen mit all den roten Karten, die der Bildungspolitik als Warnung dienen sollten, dass diese rote Haltelinie für uns teils schon lange überschritten ist. Im Anschluss an die Demo werden diese an die zuständigen Bildungspolitiker*innen in Bund, Land bzw. der Kommune gesendet.

Auch Eltern mit an Bord

Bei der Abschlusskundgebung sprachen Beschäftigte aus der Kita, den Schulen, dem Offenen Ganztag, der Hochschule und der Weiterbildung sowie ein Vorstandsmitglied der Landeselternvertretung integrierter Schulen (LeiS).

Die Abschlusskundgebung endete schließlich mit einer Schweigeminute anlässlich des 81. Jahrestages der Reichspogromnacht am 9. November 1938.

„Hat es das denn schon mal gegeben, dass die GEW all die Bildungsbeschäftigten zu einer gemeinsamen Demo auf die Straße ruft? Hat es das schon mal gegeben, dass die Stadtverbände Köln und Bonn gemeinsam ihre Mitglieder auf die Straße rufen?“, fragte Guido Schönian, Mitglied des Geschäftsführenden Vorstands der Kölner GEW und Leiter der Demo-Vorbereitungsgruppe bei der Abschlusskundgebung rhethorisch in die Menge. Die Antwort auf beide Fragen lautet „nein".

Das war das erste Mal, aber es wird ganz sicher nicht das letzte Mal gewesen sein. „Wir sind sehr zufrieden für diesen ersten Aufschlag. GEWerkschaft ist das, was wir alle aus ihr machen – und es macht mich überglücklich, unseren Stadtverband so aktiv, kreativ und unbequem zu erleben“, so die neue Kölner Geschäftsführerin Eva-Maria Zimmermann, die den Demozug vom Demowagen aus moderierte.

Für kommendes Jahr ist eine noch größere Protestaktion angedacht, was die Demonstrierenden sehr begrüßten. Jede*r ist ganz herzlich dazu eingeladen in der Vorbereitungsgruppe mitzuarbeiten.
Bei Interesse meldet euch bitte per Mail unter: kontakt@gew-koeln.de

 

// Eva-Maria Zimmermann, Geschäftsführerin GEW Stadtverband Köln //