Alle 2 Jahre Koffer packen? Entfristung jetzt!

Alle 2 Jahre Koffer packen? Entfristung jetzt!

Foto: G37G/pixabay.com

Pressemitteilung vom 22.10.2021

„Alle 2 Jahre Koffer packen? Entfristung jetzt!“
Aktion auf dem Bahnhofsvorplatz am Donnerstag, den 28.10.2021, von 18 Uhr - 19 Uhr


"Mir wurde wochenlang eine Vertragsverlängerung zugesagt. Am Tag, an dem mein Arbeitsvertrag offiziell enden sollte, ging ich in mein Büro, ohne zu wissen, ob dort nun - wie versprochen - ein Verlängerungsvertrag auf mich warten würde, oder ob ich das Büro leerräumen muss. Letzteres war der Fall", so Sonja Gaedicke von der Fachgruppe Hochschule und Forschung der GEW Köln.

Gaedickes Erlebnis ist kein Einzelfall, denn nach wie vor sind fast 90 % des wissenschaftlichen Personals an Hochschulen befristet. Statt sich auf Forschung und Lehre konzentrieren zu können, sind viele Wissenschaftler*innen mit ständiger Unsicherheit konfrontiert, von Drittmitteleinwerbungen abhängig oder dem Wohlwollen von Vorgesetzten. Teilweise herrscht ein Klima der Angst und des Wettbewerbs, denn alle wollen es schaffen, ihre Stelle zu verlängern oder eine feste Stelle zu bekommen, und sei es durch immense Mehrarbeit. „Nicht nur, dass man im Grunde immer einen Plan B als Arbeitsplatz in der Hinterhand haben muss, sondern diese vertragliche und finanzielle Unsicherheit betrifft auch ganz konkrete Lebensbereiche im Privaten“, erläutert Gaedicke die Situation der befristet beschäftigten Wissenschaftler*innen. Kolleg*innen berichten, dass sie von Vermieter*innen als zu unsicher abgelehnt werden, keine Kredite bekommen, im Zweifel immer wieder umziehen müssen. Wer Kinder hat, muss diese in dem Fall dann jedes Mal aus ihrem sozialen Umfeld herausreißen und mit ihnen in eine andere Stadt ziehen. „Außerdem kann man sich kaum sinnvoll in Gremien der Hochschule oder im Personalrat engagieren, weil man ja nie weiß, wie lange man noch da ist“, so Gaedicke weiter.

Der Öffentlichkeit sind diese Beschäftigungsbedingungen größtenteils unbekannt: Viele Kolleg*innen berichten, dass die meisten Menschen denken, sie seien fest angestellt oder gar verbeamtet. Die dieses Jahr entstandene #ichbinhanna-Bewegung, die auch von der GEW Köln unterstützt wird, trägt diese Missstände öffentlichkeitswirksam nach außen. Sie war entstanden als Reaktion auf ein Video des BMBF zum Wissenschaftszeitvertragsgesetz, in dem u. a. darauf angespielt wurde, Dauerstellen stünden der Innovation entgegen. „Das Gegenteil ist der Fall! Der Befristungswahn an Hochschulen ist es, der Innovation verhindert. Wir brauchen Dauerstellen für Daueraufgaben! Ich habe das große Glück nach unzähligen befristeten Verträgen nun endlich eine Festanstellung zu haben – das fühlt sich an wie ein 7er im Lotto“, betont Anja Neuber, ebenfalls Mitglied der Fachgruppe Hochschule und Forschung der GEW Köln. Gaedicke pflichtet ihr bei: „Dass es Leute und gar Institutionen gibt, die behaupten, dass feste Stellen faul machen, ist eine absolute Unverschämtheit. So gerne würden wir uns auf unsere Forschung und Lehre konzentrieren, statt in dieser ständigen Unsicherheit zu leben. Die Situation vieler wissenschaftlicher Hochschulbeschäftigten ist eine absolute Zumutung“.

Um auf den Befristungswahn mit all seinen Konsequenzen aufmerksam zu machen, plant die Fachgruppe Hochschule und Forschung der GEW Köln am Donnerstag, den 28.10.2021 von 18 Uhr - 19 Uhr eine Aktion auf dem Bahnhofsvorplatz: „Alle 2 Jahre Koffer packen? Entfristung jetzt!“.